JA zum Schutz vor Hass

Die Schweiz. Ein Land, welches sich so gerne an der Spitze diverser Weltranglisten sieht – die Reichsten, die Besten, die Effizientesten; einer der Spitzenreiter eben.
Wie gerne brüsten wir uns damit, dass wir so fortschrittlich und gut organisiert sind – zugegebenermassen ist das nicht ganz falsch und ein gewisser Stolz auf manche Errungenschaften unserer Nation ist durchaus verständlich.
Einfach gesagt könnte man sagen, die Schweiz ist in so manchen Fächern ein 6er-Schüler – ein Vorbild. Doch wenn man nun eben dieser 6er-Schüler ist, dann zeugt es von Faulheit und auch einer gewissen Arroganz, sich mit den 3er-Schülern zu vergleichen, denn, wie schwer ist es schon, sich mit einem schwächeren zu messen?
Vergleicht man nun die Schweiz mit Ländern, die vielleicht nicht so viel Glück hatten, so ist es sehr einfach zu behaupten, man mache ja alles richtig – stimmt, im Vergleich zu jenen Ländern macht man tatsächlich vieles richtig, doch wie ich zu Beginn dieses Textes bereits erwähnt habe, ist es nicht sehr schwierig, sich mit jenen Beispielen zu vergleichen.

Wollen wir tatsächlich wachsen, dann sollten wir uns mit den Nationen vergleichen, die da einen 6er haben, wo wir eine 5,5 haben; einfach gesagt, wir sollten uns mit Stärkeren messen. Das ist vielleicht nicht ganz so angenehm und einfach, aber es wäre ein fairer Vergleich.
Jetzt stehen wir wieder einmal an einem dieser Punkte unserer Geschichte, wo wir uns mit den „6er-Nationen“ messen könnten. Nach der Wahl könnte die Welt wieder einmal auf uns schauen und staunend sagen: „Oh, die sind ziemlich fortschrittlich!“ und wir könnten uns zufrieden auf die Schulter klopfen.
Oder aber wir vergleichen uns mit den 1er-Schülern („In anderen Ländern werden die gesteinigt! Hier ist doch alles gut!“) und stagnieren dank unserer eigenen Arroganz, während wir mit dem Finger auf andere zeigen.

Wenn Sie also selber zu jenen Menschen zählen, die Homosexualität vielleicht etwas seltsam finden, aber im Grund nichts dagegen haben („Soll doch jeder wie er will“), dann setzen Sie am 9.2. ein Zeichen – ein Zeichen für eine fortschrittliche Schweiz, ein Zeichen für eine der friedlichsten Nationen der Welt und dass dieser Frieden noch stärker wird. Denn dann rücken wir auf einer weiteren Rangliste Richtung Spitzenreiter vor.
Fortschritt ist ein stetiges Arbeiten an sich selbst, nicht das Ausruhen auf seinen Lorbeeren.

Nachwort:
Für alle die, die meinen Homosexualität wäre nicht natürlich und dies als Argument führen; Homosexualität existiert tatsächlich auch in der Tierwelt UND es tut dir nicht weh, wenn jemand nicht das selbe mag, wie du.
Was tatsächlich nicht natürlich ist, wäre zum Beispiel das durchschnittliche Sterbealter von 83, das Reisen mit 1000 km/h oder Herzoperationen; aber das vergisst du gerne, nicht? 😉

Wenn ihr euch also das nächste Mal auf die Natürlichkeit einer Sache bezieht, dann denkt zwei Mal nach oder unterlasst den nächsten Arztbesuch und geht zu Fuss Beeren sammeln.

Mehr Infos gefällig? Voila: https://jazumschutz.ch/ 🏳‍🌈❤

Björn, Präsident JUSO Glarnerland

 

Es wurde gegründet.

Hochoffiziell und voller Freude dürfen wir euch eine frohe Botschaft verkünden: Die Juso Glarnerland wurde gestern Abend, dem 17. Januar 2020 neu gegründet.
In einer dunklen Kammer, irgendwo im Herzen des Alpenkantons trafen sich die jungen Glarner*Innen und berieten, diskutieren und planten Ihr Konzept und Ihre Partei.
Bis in späte Abendstunden wurden die Statuten an unsere frischen Ideen angepasst, der Vorstand gewählt, Ämter verteilt und in die Zukunft geschaut.
Fast bin ich gewillt, zu sagen, es würde ein Gespenst umgehen im Glarnerland, doch wäre das nicht nur etwas altbacken und wenig zeitgemäss, sondern würde es uns auch fälschlicherweise als Gespenst betiteln, denn wenn wir eines nicht sein wollen, dann ist das ebendies: ein Gespenst in der Glarner Politik.
Viel eher sind wir der Wind, der euch aufmischt, wenn ihr in Zukunft über Politik sprechen werdet; der Wind, der von links weht und unser hübscher Kanton anständiger, weltoffener, ökologischer und angenehmer für alle machen wird.
Frech wollen wir bleiben, auch laut wollen wir sein, doch wollen wir in erster Linie all unsere Forderungen mit Argumenten fundieren, die auch jeder letzte Bürger noch verstehen und nachvollziehen kann. Anständig und doch mit dem nötigen Druck, dass wir euch wachrütteln und zum Nachdenken bewegen können – eben die anständige Art, Politik zu führen.

 

„Guetzli, Guetzli, selbst gemacht!“

Migranten vom “Träffpunkt Glarnerland” Ennenda haben am Wochenende gemeinsam mit der Juso Glarnerland Weihnachtsguetzli gebacken und am Weihnachtsmarkt feilgeboten.

von Reto Jost

Das Eis war schnell gebrochen, wenn es überhaupt eins gab. Einige hatten wohl zum ersten Mal einen Guetzli-Teig in der Hand, und man musste zuerst erklären, warum wir das überhaupt machen. Doch nach einigen anfänglichen Hürden legten sich die Menschen, die aus Ländern wie Afghanistan und Eritrea stammen, voll ins Zeug. Eifrig stachen sie Sterne, Herzen und andere Formen aus dem Teig, bestrichen sie mit Glasur, verzierten sie mit Zückerli und schoben sie in den Backofen. Am Ende des Tages waren etwa 50 Säckli mit Mailänderli, Sablé, Brunsli, Schoggi-Cornflakes und Brezeli bereit zum Verkauf.

Einige der Migranten, die mit der Juso Glarnerland Guetzli gebacken haben, treffen sich jeden Montag zum Deutschkurs im „Träffpunkt Glarnerland“ im „ReVier“ Ennenda. Dort tauschen sie sich aus und machen Unterhaltungsabende. Organisiert wird das von Freiwilligen.

Mehrere Stunden im Regen

Am Sonntag ging es dann an den Verkauf. Der Stand am Weihnachtsmarkt Glarus war zwar geschützt, aber das Wetter war nicht gerade das Freundlichste. Anfangs noch etwas Scheu, mischten sich die fleissigen Bäcker vom Vortag unter die Leute und riefen „Guetzli, Guetzli! Selbst gemacht!“. Nach mehreren Stunden hartnäckigem Feilbieten waren alle Säckli verkauft. Die Tagesbilanz: Vom Erlös können die Migranten sich im „Träffpunkt Glarnerland“ einen schönen Abend machen, und wenn nächstes Jahr wieder Weihnachten ist, haben sie das Wort „Guetzli“ bereits im Repertoire.

 

Weshalb Kleider keine Leute machen – NEIN zum Verhüllungsverbot

von Halid Akça, Juso Glarnerland

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Kleider machen Leute. Nicht nur Gottfried Keller scheint diesen oberflächlichen Umstand vor knapp 150 Jahren erkannt zu haben, denn ebendiese Tatsache ist nun auch im Kanton Glarus von immer grösserer Aktualität. Wir stimmen an der Landsgemeinde über ein Verbot der Verhüllung ab. Der muslimische Niqab – der oft fälschlicherweise mit der vor allem in Afghanistan und Pakistan getragenen Burka gleichgesetzt wird – ist damit in den Mittelpunkt der Debatte geraten. Mitunter wird der Niqab geradezu zu einem Symbol von islamistischem Fanatismus und einer bedrohlichen Parallelgesellschaft hochstilisiert, vor allem von Vertretern des rechten Lagers. Aber weshalb scheint dieses Kleidungsstück erst jetzt so viele Gemüter zu erregen?

Niqabträgerinnen gab es auch in der Schweiz schon früher, und die meisten davon sind nach wie vor wohlhabende Touristen aus der Arabischen Halbinsel, ohne die ja bekanntlich so manches Geschäft an der Zürcher Bahnhofstrasse nicht mehr existent wäre. Ich möchte Sie ganz offen fragen: Wie viele Niqabträgerinnen haben Sie im Kanton Glarus schon gesehen? Ich persönlich gar keine, und ich bin oft unterwegs. Augenscheinlich haben wir also kein „Problem“ damit (wenn es denn eines ist), und wer das bemerkt, erkennt auch rasch die Absurdität dieser ganzen Debatte:  Es wird über etwas diskutiert, das gar nicht vorhanden ist. Wir haben keine Probleme mit dem Niqab.

Aber selbst wenn wir eines hätten, würde ich ein Verbot der Vollverschleierung aus nachfolgenden Gründen ablehnen: Ich verstehe zwar das Argument vieler, dass jede Art der Vollverschleierung die Würde einer Frau herabsetzt, denn Tatsache ist, dass ein beachtlicher Teil der betroffenen Frauen zum Tragen eines Niqab gedrängt wird; sei es von der sie umgebenden Gesellschaft oder ihren Ehemännern. Das ist definitiv ein Problem, denn jeder Zwang ist eine nicht hinzunehmende Herabsetzung der Menschenwürde. Es ist jedoch stark anzuzweifeln, ob wir den betroffenen Frauen mit einem Verbot helfen würden. Sie wären in der Situation, dass sie nicht einmal mehr das Haus verlassen könnten, ohne eine Busse befürchten zu müssen. Ein Verzicht auf die Vollverschleierung ist für diese Frauen ebenso keine Option. Das heisst, dass wir ihnen jede Möglichkeit der Integration und der Selbstbestimmung nehmen, indem wir sie in die Isolation verbannen. Die Förderung von Frauenorganisationen, welche Aufklärungsarbeit unter den davon betroffenen Frauen leisten, wäre naheliegenderweise sinnvoller als ein Verbot. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn es gibt auch Frauen, die bewusst und freiwillig den Niqab tragen; solchen Personen bin auch ich schon in meiner türkischen Heimat begegnet. Diese Frauen sind stolz auf ihren Niqab und tiefreligiös, sie schämen sich auch hier nicht, öffentlich zu ihrem Glauben zu stehen, obwohl sie täglich Anfeindungen und gar körperliche Angriffe erdulden müssen. Und wer sind wir, ihnen das Tragen einer bestimmten Art von Kleidung zu verbieten, mit dem fadenscheinigen Argument, der Niqab gehöre nicht zu unserer Kultur? Welche gehört denn überhaupt in unsere „westliche“ Kultur? Wer behauptet, Kopftücher und Verschleierung seien unserer Heimat fern, sieht offenbar darüber hinweg, dass es bis vor kurzem auch bei uns üblich war, dass Frauen beim katholischen Gottesdienst eine Kopfbedeckung zu tragen hatten; dieser Brauch lebt bei vielen Ordensschwestern weiter. Konsequenterweise müssten also die Befürworter eines Verbotes auch den Nonnen im Kloster Einsiedeln klarmachen, ihre Verschleierung gehöre nicht zu unserer Kultur.

Wir dürfen nicht alles aus unserer einen, beschränkten Sicht betrachten, nur weil wir denken, unsere Art des Lebens sei die bessere. Nach der Islamischen Revolution im Iran wurde das Tragen von westlicher Kleidung unter Strafe gestellt, und jeder Mann und jede Frau, die von den iranischen Behörden mit Jeans oder Hemd gesichtet wurde, hatte und hat immernoch Bussen und Haftstrafen zu befürchten. Das klingt verrückt, und das ist es auch. Aber im Grunde wollen Teile der Schweiz genau das, einfach umgekehrt. Indem wir dasselbe tun, gefährden wir unser kostbares individuelles Selbstbestimmungsrecht und schüren zudem misstrauen unter uns allen. Es ist unabdingbar, dass die Schweiz (wie alle anderen Länder auch) gegen den uns alle gefährdenden radikalen Islamismus, der nicht mehr als ein perverses Zerrbild des Islams ist, kämpfen muss, aber damit hat der Niqab nichts zu tun. Er ist nur ein Stück Stoff, mehr nicht. Anzunehmen, jede Trägerin des Niqab sei eine potenzielle Gefahr, ist nicht minder zerrbildhaft und unwahr.

Aus diesen Gründen lehne ich dieses Verbot ab, und hoffe, dass das Glarner Stimmvolk es ebenso tun wird. Denn Kleider machen nicht Leute, sondern das, was darin steckt.